Wiederaufbau und Wirtschaftswunder 1945-1973

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder 1945-1973

Im Zentrum von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Im Zentrum von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Nach Kriegsende im Mai 1945 sind in Bremen große Teile der historischen Gebäude sowie rund 60 Prozent der Wohnungen zerstört. Während die Trümmerfrauen Berge von Schutt wegräumen, wird auch im deutschen Finanzwesen „aufgeräumt”. Die alliierten Siegermächte ordnen die Zerschlagung der bestehenden Großbanken an. Sparkassen und Kreditgenossenschaften bilden fortan das Rückgrat des Finanzsystems. Sie fördern den Wiederaufbau und stehen ab 1948 im Zentrum des Wirtschaftswunders, so auch die Sparkasse in Bremen.

»Der Sparkassenbrief ist das jüngste Kind der Sparkassenorganisation. Sein Kennzeichen ist große Solidität.«

Deutsche Sparkassenzeitung, 10. Oktober 1967

1948 – Bremen im Kaufrausch

Die D-Mark als neues Zahlungsmittel, prall gefüllte Schaufenster und die große Lust auf Anschaffung all der Dinge, die für ein modernes Leben nach dem Krieg mit all seinen Entbehrungen stehen.Bei den Bremerinnen und Bremern sitzt das Geld locker. Die Folge: Ein Auszahlungsüberschuss bei der Sparkasse in Bremen von 8.393.000 D-Mark.   

Die Obernstraße 1956

Acht Jahre später: Einkaufen in der Obernstraße 1956 (Quelle: Staatsarchiv Bremen).

Einkaufen in der Obernstraße

Zwölf Jahre später: Einkaufen in der Obernstraße 1960. Mit Beginn der 1960er-Jahre herrscht geschäftiges Treiben in Bremens traditioneller Einkaufsstraße.

1950 – Freie Sparkasse in Bremen

Nachdem die Sparkasse in Bremen nach Kriegsende erfolgreich für die Wiedereinführung der „Freiheitlichen Grundgesetze” gekämpft hatte, kann sie als Freie Sparkasse mit den Organen Vorstand und Verwaltungsrat unabhängig vom Bremer Senat agieren. Sie ist allein gegenüber ihren mehreren hundert Mitgliedern aus allen Bevölkerungsteilen rechenschaftspflichtig.  

1951 – Ein Bauprogramm für die Nebenstellen

Von 29 Nebenstellen können nach Kriegsende nur 19 den Geschäftsbetrieb notdürftig wieder aufnehmen. Allein die Zweigstellen in Lesum, Vegesack, Blumenthal und Hemelingen haben die Bombennächte überstanden. Ab 1951 wird ein „Bauprogramm 1951“ aufgesetzt. Es sollen die Nebenstellen zunächst provisorisch instand gesetzt und im zweiten Schritt neu gebaut werden.  

1958 – Eröffnung des Sparkassenhauses Am Markt

Das Haus Am Markt wird als Sparkassenfiliale wiedereröffnet. Die Rokokofassade aus dem Jahre 1755 stammt von einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Haus an der Schlachte (Hoffschlaegersches Haus).  

Sparkassenfiliale Am Markt um 1960, Frontseite mit historischer Fassade

Sparkassenfiliale Am Markt um 1960, Frontseite mit historischer Fassade.

(Quelle: Die Senatorin für Kinder und Bildung, Fotoarchiv)

1961 – Feierliche Eröffnung der Stadtwaage

Nach Übernahme der Liegenschaft und damit Sicherung des Wiederaufbaus der historischen Stadtwaage eröffnet die Sparkasse in Bremen eine weitere repräsentative Filiale in der City.

 Innenansicht der Stadtwaage von 1961

Neue Kundenhalle hinter alten Mauern, Innenansicht der Stadtwaage von 1961.

Nachhaltige Werbebotschaft, Plakat von 1965

Nachhaltige Werbebotschaft, Plakat von 1965 (Quelle Deutscher Sparkassen- und Giroverband).

1963 – Wenn´s um Geld geht...

Die wachsende Konkurrenz im Kreditwesen hat nicht nur Auswirkungen auf die Produktvielfalt, sondern auch auf Werbung und Marketing. Ab 1963 werben Sparkassen bundesweit mit dem Slogan: „Wenn´s um Geld geht... Sparkasse.”

Auch die Sparkasse in Bremen nutzt als Freie Sparkasse die Werbekraft des Sparkassen- und Giroverband DSGV und die damit möglichen Synergien.

 

1967 – Die Sparkasse als „Finanzierungskaufhaus”

Um den gewachsenen Ansprüchen ihrer Kundschaft zu entsprechen, führt die Sparkasse eine Reihe neuer Dienstleistungen ein, darunter erfolgreich das Wertpapiergeschäft. Der Begriff des Finanzierungskaufhauses wird geprägt. In den Folgejahren schreitet die Entwicklung zur Universalbank weiter voran.

1970 – Einführung von EDV

Mit der Einführung modernster elektronischer Datenverarbeitung EDV erleichtert und beschleunigt die Sparkasse ihre innerbetrieblichen Abläufe. Ein Jahr nach Einführung sind 1.009.560 Konten auf EDV umgestellt.

Elektronische Datenverarbeitung ab 1970

Elektronische Datenverarbeitung ab 1970 – mit leistungsstarken Servern und Computern.

1970 ff. – 200.000 Kundenaufträge pro Tag

Einlagen-, Spar-, Giro-, Deposit-, Bauspar-, Kreditkonten sowie Depot- und Schließfachkonten. Zu Beginn der 1970er-Jahre bearbeiten über 2.000 Mitarbeitende täglich ca. 200.000 Kundenaufträge.

Bearbeitung von Kundenaufträgen um 1970

Im Dienste der Sparkassenkundschaft, Bearbeitung von Kundenaufträgen um 1970.

Privatkunde

Wünsche verwirklichen

1951 – Die Sparkasse im Borgward-Bus

Aus der Not eine Tugend machen? Nach Zerstörung der Mehrzahl der Sparkassengeschäftsstellen, setzt die Sparkasse einen umgebaute Borgward-Bus als rollende „Filiale 49” ein. Noch bis 1973 ist der Bus Teil des Stadtbilds.    

Der Borgward-Bus, rollende „Filiale 49

Rollende „Filiale 49”. Mit dem Borward-Bus zu den Sparkassen-Kundinnen und Kunden.

Borgward-Bus von Innen

Innenraum der rollenden "Filiale 49".

1952 – Einführung des Prämiensparens

Gemeinsam mit den hanseatischen Sparkassen Hamburg und Bremerhaven wird das Prämiensparen, auch PS-Sparen eingeführt. Ein attraktives Angebot für viele Sparwillige und eine Maßnahme, um zu neuem Kapital für den Wiederaufbau zu gelangen. Es gilt, dringend benötigten Wohnraum zu finanzieren.

1953 – Ein Hoch auf das Sparen

Das Motto lautet: „Sparsam sein – besser leben” und mit bereits 10-Pfennig-Beträgen zur Erfüllung des Wunsches gelangen, ob Reise, Nähmaschine, Fahrrad oder …   

1954 bis 1957 – Sparen in allen Lebenslagen

Neue und wiederbelebte Sparformen schaffen Sparanreize, darunter:

  • Reisesparen
  • Hausstandssparen
  • Sparclubsparen
  • Schulsparen 
  • Familiensparen     
Sparaufruf anlässlich des Weltspartags 30. Oktober 1953

Sparaufruf anlässlich des Weltspartags 30. Oktober 1953 

Hausstandssparbuch

Hausstandssparen für die junge Zielgruppe.

Reisesparkarte

Reisesparkarte.

Reisesparkarte, Innenteil für Beklebung mit Wertmarken

Reisesparkarte, Innenteil für Beklebung mit Wertmarken.

1957 – Einführung des Versicherungssparens

Als erstes deutsches Kreditinstitut bietet die Sparkasse die Möglichkeit Spar- und Versicherungsverträge zu kombinieren.  

Werbeplakat für das Versicherungssparen, 1957

Werbung für das Versicherungssparen, 1957.

1957 – Bargeldlose Lohn- und Gehaltszahlung

Mit der Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung schnellt die Zahl der Privatgirokonten in die Höhe. Der Komfort überzeugt. Glücklich, wer ein Girokonto bei der Sparkasse in Bremen besitzt.  

1964 – Absicherung für das Alter

Im Schulterschluss mit der Hamburger Sparkasse gründet die Sparkasse in Bremen die Lebensversicherungsgesellschaft „neue leben” und trägt damit zu einer besseren Altersabsicherung ihrer Kundinnen und Kunden bei.  

1967 – Einführung der Scheckkarte

Die Einführung der Scheckkarte 1967 gibt dem bargeldlosen Zahlungsverkehr neuen Auftrieb. 1969 wird er mit dem „eurocheque“-System auf 24 europäische Länder ausgeweitet.   

1967 – Ausgabe von Sparkassenbriefen

Als erste Großsparkasse bietet die Sparkasse in Bremen Wertpapiere zur Vermögensbildung an.Gewinnbringender als das klassische Sparbuch und risikoärmer als Aktien und Rentenpapiere.   

Sparkassen-Scheckkarte 1967.

Sparkassen-Scheckkarte 1967.

Sparkassenbrief

Sparkassenbrief Neuerfindung als Antwort auf differenzierte Kundenbedürfnisse.

1969 – Gastarbeit für Werften, Autobau, Kämmerei und Co.

Sie werden in der boomenden Industrie Bremens dringend benötigt – Menschen, die zupacken können. Sie kommen aus Italien, der Türkei und weiteren Ländern Süd- und Osteuropas sowie Asien. Die Sparkasse in Bremen bietet den „Gastarbeitern” ein Konto und Hilfestellung in Finanzangelegenheiten. Dabei erleichtert sie den neuen Kunden das Ankommen durch Broschüren in der Sprache des jeweiligen Herkunftslandes.  

Um 1970 – Jugendzielsparen

Förderung und Verbreitung des Spargedankens vor allem bei der Jugend.

Mit der Broschüre „Jugendzielsparen” wird dafür geworben.

Broschürentitel „Jugendzielsparen”

Broschürentitel „Jugendzielsparen”  

Um 1973 – Neue Wege bei der Filialgestaltung

Neu ist die klare Trennung zwischen Kassen- und Beratungsleistung.

Das macht den herkömmlichen Schaltertresen überflüssig. Der Effekt ist mehr Kundennähe in einem großzügigen Ambiente.  

Zweigstelle Oberneuland, 1973

Zweigstelle Oberneuland, eröffnet 1973  

Firmenkunde

Wachstum begleiten

1948 – Mit stabiler Währung zu geordneten Verhältnissen

Die Zeit der Schwarzmärkte und wirtschaftlichen Improvisation in Bremen endet am 20. Juni 1948 mit der Währungsreform. Sie ist der Startschuss für eine geordnete wirtschaftliche Entwicklung. Schifffahrt, Industrie, insbesondere der Schiffbau sowie der Handel mit den dazugehörigen Einrichtungen für den Güterumschlag werden in den folgenden Jahren erneut zu wichtigen Faktoren des bremischen Wirtschaftslebens.

1948 – Unterstützung im Außenhandel

Die weltweit neue Absatzmärkte erschließenden Bremer Firmen können auf die Sparkasse setzen, wenn es um Unterstützung im internationalen Zahlungsverkehr geht. 1948 erlangt die Sparkasse in Bremen ihre Zulassung als Außenhandelsbank wieder. Dokumentengeschäft, Ankauf von Währungswechseln und Außenhandelsfinanzierung vervollständigen bald das Angebot.

Um 1950 – Sparen für die Existenzgründung

Mit dem Junghandwerkersparen bietet die Sparkasse in Bremen Kreditchancen zu bevorzugten Bedingungen. Je mehr angespart wird, desto höher fällt der mögliche Kredit aus.   

1966 – Mahl des Handwerks

Zum ersten Mal richtet die Sparkasse in Bremen gemeinsam mit der Handwerkskammer das „Mahl des Handwerks” aus. Teil des jährlich stattfindenden Mahls ist die Vergabe von Preisen für innovatives Handwerk.  

Mahl des Handwerks 1978

Mahl des Handwerks, 1978 findet es bereits zum zwölften Mal statt.

Gemeinwohl

Gemeinwohl fördern

1945 ff. – Carepakte und Verteilung

Eine gemeinnützige Aufgabe erwächst der Sparkasse in der Abwicklung der amerikanischen Care-Paket-Aktion in Bremen und weit über die Grenzen Bremens hinaus. So stellt sich die Sparkasse in Bremen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in dieser Zeit höchster Not mit großer Selbstverständlichkeit in den Dienst der Allgemeinheit.

1950 – 4,5 Millionen D-Mark für Wohnungen

Rund 4,5 Millionen D-Mark setzt die Sparkasse für den bremischen Wohnungsbau ein. Die Wohnungsnot nach Kriegsende ist groß! Rund 60 Prozent des Wohnraums gilt als zerstört. Besonders betroffen vom Bombenhagel der Alliierten ist der Bremer Westen, im Volksmund „Todeszone” genannt.

1952 – Geld für ein Tiergehege

Es können wieder Überschüsse in gemeinnützige Projekte fließen. Unter anderem wird der Bau eines Wildhauses für das Tiergehege im Bremer Bürgerpark unterstützt.

1955 – Linderung der Wohnungsnot

Am 23. Juni 1955 gründet die Sparkasse in Bremen die Stiftung „Bremer Sparer-Dank”. Ihr Hauptzweck ist die günstige Vermietung von Wohnungen an Bedürftige, ein Beitrag zur Linderung der nach dem Krieg vorherrschenden Wohnungsnot.

Sie geht auf eine Idee des amtierenden Bürgermeisters und Verwaltungsratsvorsitzenden der Sparkasse Wilhelm Kaisen zurück, der sich bereits 1949 für ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm in Bremen engagierte.  

Dokument Bremer Sparer Dank (Bremer Schlüssel mit Inschrift)

Dokument Bremer Sparer Dank (Bremer Schlüssel mit Inschrift)   

1957 – Grundsteinlegung für die Neue Vahr

Nach der Gartenstadt Vahr folgt die Großsiedlung Neue Vahr. 1957 legt Bürgermeister Wilhelm Kaisen den Grundstein für das deutschlandweit beachtete Großprojekt unter der Regie der GEWOBA. 10.000 moderne Wohnen entstehen für rund 30.000 Menschen. Auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Bremen setzt sich Kaisen für den Wiederaufbau und seine Finanzierung ein.

Bürgermeister Wilhelm Kaiser.

Bürgermeister Wilhelm Kaisen legt den Grundstein für die Neue Vahr (Quelle: Staatsarchiv Bremen).

1961 – Eröffnung der Stadtwaage nach Wiederaufbau

Ein Grundstückstausch macht es der Sparkasse möglich: den Wiederaufbau der Stadtwaage nach völligerer Zerstörung durch den Krieg. Am 12.4.1961 wird das herausragende Baudenkmal im Stil der Weserrenaissance eingeweiht. Einen Tag später eröffnete die Sparkasse in Bremen dort ihre Geschäftsstelle 35.   

1963 – 1969 Erhalt historischer Gaststätten

In Vegesack ist es die „Strandlust”, in der östlichen Vorstadt ist es der „Jürgenshof”.

Zwei traditionsreiche Ausflugslokale, von denen letzteres bis heute über eine von der Sparkasse ins Leben gerufene Stiftung betrieben wird.

Jürgenshof

Jürgenshof, bis heute ein beliebtes Ausflugslokal

1963 – Jugend musiziert

Der Wettbewerb „Jugend musiziert” wird ins Leben gerufen und seit seiner Gründung von der Sparkasse Bremen unterstützt. Im weiteren Verlauf wächst er zu einem der wichtigsten musikalischen Wettbewerbe in Deutschland heran.  

Auftritt 2017, Jugend musiziert ist ein fester Bestandteil im Kulturkalender von Bremen, bei dem musikalische Nachwuchstalente geehrt werden.

Auftritt 2017 und damit über 50 Jahre später. Jugend musiziert ist ein fester Bestandteil im Kulturkalender von Bremen, bei dem musikalische Nachwuchstalente geehrt werden.

1963 – Unterstützung von Kindern

Die Sparkasse stiftet 1963 ein Haus für das SOS-Kinderdorf in Worpswede und richtet ein Jahr darauf die Schullandheime Clüversborstel und Hepstadt ein.  

1970 – Ein Schaugewächshaus zu Ehren von Wilhelm Kaisen

Die Sparkasse schenkt der Bremischen Bevölkerung ein Schaugewächshaus im Rhododendronpark.

Es soll den Namen „Wilhelm-Kaisen-Haus” tragen. Ein Dank an den Altbürgermeister, der bis 1970 dem Verwaltungsrat der Sparkasse vorsaß.   

Richtfest des neuen Gewächshauses im Rhododendronpark im Juli 1971

Richtfest des neuen Gewächshauses im Rhododendronpark im Juli 1971 (Quelle: Staatsarchiv Bremen).

1948 bis 1971 – Über 8 Millionen D-Mark Spenden

Empfänger sind karitative und kulturelle Einrichtungen, u. a.:

  • Bremer Volkshilfe 
  • Bremer Bürgerparkverein 
  • Deutsche Bruderhilfe 
  • Fockemuseum 
  • Überseemuseum 
  • Müttergenesungswerk 
  • Niederdeutsche Bühne   
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