Die Schulden des Ersten Weltkriegs, ein dramatischer Geldwertverlust, der 1923 zur galoppierenden Inflation wird. Weltwirtschaftskrise und Bankenkrise – all dies fällt in die Zeit der Weimarer Republik. Und die Sparkasse in Bremen? Sie überlebt nicht nur die von Krisen und Vertrauensverlust geprägte Zeit, sondern entwickelt sich zum „Allfinanzdienstleister”. Darüber hinaus festigt sie mit der Gründung einer eigenen Bausparkasse ihre Position als wichtigste Baufinanziererin für Bremen.
»Es ist uns ein aufrichtiges Bedürfnis, den vielen Tausenden unserer Sparer zu danken, die trotz der großen Nervosität vieler Kreise der Bevölkerung ihre Ruhe bewahrt und ihre Sparguthaben völlig unberührt gelassen haben.«
Vorstand des Verwaltungsrats der Sparkasse in Bremen (1932)
Der immer rascher fortschreitende Geldwertverlust macht Scheine zu bedeutungslosem Papier. Wer kann, wandelt seine Ersparnisse in wertbeständige Anlagen um. Derweil erzielt die Sparkasse in Bremen eine Bilanzsumme von 667 Trillionen Mark, eine Fantasiesumme ohne Aussagekraft.
Preisgestaltung in der Hyperinflation 1923: 40.000 Mark für vier Eier, und das ist noch nicht das Ende der Entwicklung. Im Oktober 1923 erreichen Preise für Grundnahrungsmittel Milliardenbeträge. Geld ist nichts mehr wert.
Ausländische Papiere, Pfandbriefe, Obligationen, Aktien, Scheckverkehr, Börsen- und Devisenhandel sowie Außenhandelsgeschäfte – mit neuer Satzung und Inspektion durch die Stadt Bremen sowie durch Eintragung ins Handelsregister ist dies möglich geworden.
Auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand wird der „Weltspartag” ins Leben gerufen. Es ist ein alljährlicher Sparappell an die Bevölkerung. Propagiert wird das vorsorgende Sparen zur Überbrückung schlechter Zeiten. Mit vielen Aktionen zum Weltspartag werden die Kundinnen und Kunden im weiteren Verlauf mit der Idee des Sparens vertraut gemacht.
Durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch stark dezimiert, steigt der Spareinlagenbestand wieder.
Von 1932 an bis 1937 erhöhen sich die Spareinlagen von rund 93 Millionen auf 133 Millionen Reichsmark.
Jahresabschluss 1933.
Im Sommer 1920 führt die Sparkasse Bremen den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein und eröffnet die ersten Girokonten. Die Verfügung geschieht zunächst durch einen Zahlungsauftrag, ab 1923 auch durch einen Scheck. Vorteil für die Kunden: Zeit und Wege sparen und nur mit einem Zahlungsauftrag Rechnungen ohne Diebstahlrisiko begleichen können.
Eine große Erleichterung für den Aufenthalt und die Zahlwege der Sparkassenkunden im In- und Ausland bringt der bargeldlose Reisekreditbriefverkehr.
Gemeinsam ist das Sparen einfacher! Die Sparkasse Bremen propagiert das Sparklubsparen und stattet Klubs wie bereits bestehende Sparvereine mit Sparklubschränken aus.
Eltern erhalten zur Geburt ihres Kindes vom Standesamt einen Gutschein über drei Reichsmark von der Sparkasse in Bremen. Dafür können sie gegen eine geringe Zuzahlung ein Sparbuch auf den Namen ihres Kindes einrichten. Es wird mit 14 Jahren zuteilungsreif.
Vorderseite: Geschenk der Sparkasse in Bremen zur Geburt eines Kindes.
Innenseite: Geschenk der Sparkasse in Bremen zur Geburt eines Kindes.
Neben der traditionellen Förderung des bremischen Wohnungsbaus durch Hypotheken an gemeinnützige Bremer Bauvereine, entschließt sich die Sparkasse 1929 selbst eine Bausparkasse ins Leben zu rufen. 10 Jahre später betreut sie 6.000 Bausparer mit einer Gesamtvertragssumme von 23 Millionen Reichsmark.
Urkunde über einen Bausparvertrag.
Die Sparkasse Bremen bekommt die Nervosität in Folge der um sich greifenden Bankenkrise zu spüren. Die Spareinlagen verringern sich im Jahr 1931 um fast 23 Millionen Reichsmark, was einem Rückgang um 18,5 Prozent entspricht. Der Vertrauensverlust der Menschen in Deutschland in das Bankwesen ist groß, gleichzeitig bleibt der überwiegende Teil der Kunden der Sparkasse in Bremen treu.
Die allgemeine Kapitalarmut in der Inflation hat eine hohe Nachfrage nach Krediten zur Folge. Die Sparkasse schafft Konto-Korrentkonten, aus denen sie Vorschüsse an Darlehenssuchende, vornehmlich aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, gewährt. Als Sicherheit werden in der Regel erste Hypotheken in Pfand genommen.
Ab Mitte der 1920er-Jahre erwirbt die Sparkasse in Bremen Industriebeteiligungen u. a. bei Unternehmen der Torfindustrie, der Baustoffindustrie und der Holzverarbeitung. Parallel gewährt sie verschiedenen Unternehmen, darunter dem Kaufhaus Karstadt, große Kredite – dies auch zur Sicherung von zahlreichen Arbeitsplätzen im Raum Bremen.
Als Ende der 1920er-Jahre Europas größter Wollkonzern, die Nordwolle mit Produktionsstandort in Delmenhorst, vor dem Bankrott steht, gewährt auch die Sparkasse in Bremen Kredite zur Überbrückung der Krise. Doch das durch Bilanzfälschung verschleierte Ausmaß der Verschuldung ist gigantisch. Die Hausbank der Nordwolle, die DANAT-Bank wird zahlungsunfähig und Deutschland erlebt seine erste Bankenkrise.
Mit dem Neubau der ersten großen Tribüne mit Umkleidekabinen und Restaurant für 1.250.000 Reichsmark erhält Bremen sein Stadion, zuerst ABTS-Kampfbahn genannt. Finanzier ist die Sparkasse in Bremen.
Weser-Stadion mit Tribüne 1931; 1930 heißt das Stadion erstmals Weser-Stadion. (Quelle: Staatsarchiv Bremen)
Das Weser-Stadion aus der Vogelperspektive, Aufnahme um 1931. (Quelle Staatsarchiv Bremen)
Die Sparkasse in Bremen kommt ihrem gemeinnützigen Auftrag auch in wirtschaftlich kritischen Zeiten nach und unterstützt gemeinnützige Institutionen. 100.000 Reichsmark werden bereitgestellt und verteilt auf:
Zweiter Plan des Bürgerparks von Wilhelm Benque aus dem Jahr 1914 mit Nord-Ost-Erweiterung. (Quelle: Archiv des Bürgerparkvereins)
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