Nationalsozialismus 1933-1945

Nationalsozialismus 1933-1945

Die Sparkasse im Nationalsozialismus

1920 bis 1950

Sparkasse Bremen zwischen 1920 und 1950

Die Geschichte einer Bank ist stets auch ein Spiegel der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit. In diesem Bewusstsein hat die Sparkasse Bremen den renommierten Wirtschaftshistoriker Dr. Harald Wixforth beauftragt, sich umfassend und kritisch mit ihrer Rolle in der Zeit zwischen 1920 und 1950 auseinanderzusetzen. Diese Jahrzehnte markieren eine besonders bewegte Epoche – von der instabilen Weimarer Republik über die NS-Diktatur bis hin zur Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Grundlage dieser wissenschaftlichen Aufarbeitung ist das in den letzten Jahren aufgebaute Historische Archiv der Sparkasse Bremen. Es zählt zu den bedeutendsten seiner Art im deutschen Sparkassenwesen: Umfangreich, sorgfältig erschlossen und nahezu vollständig von der Gründung bis in die Gegenwart erhalten. Erst durch diesen außergewöhnlichen Bestand an Originaldokumenten ist eine quellengestützte historische Forschung in dieser Tiefe überhaupt möglich geworden.

Das Gutachten von Dr. Wixforth bietet nicht nur einen differenzierten Blick auf die Entwicklung und das Verhalten der Sparkasse Bremen im genannten Zeitraum, sondern stellt diese auch in den größeren Kontext der Bremer Stadt- und Wirtschaftsgeschichte. Es verdeutlicht, wie eng die Entwicklung der Sparkasse mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Hansestadt verknüpft war – und welchen Beitrag sie zur Herausbildung Bremens als bedeutendem Wirtschaftsstandort insbesondere in der Nachkriegszeit geleistet hat.

Die Bedeutung dieser historischen Aufarbeitung wurde auch durch den Verwaltungs- und Aufsichtsrat der Sparkasse Bremen unterstrichen, der sich in seiner Sitzung vom 25. September 2024 ausdrücklich für eine transparente und fundierte Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit ausgesprochen hat. Zahlreiche Aktivitäten wurden angeregt, um diesen Erkenntnisprozess auch in die Gegenwart zu tragen – als Grundlage für Verantwortung, Vertrauen und historisches Bewusstsein.

Die Aufarbeitung der NS-Zeit durch Dr. Wixforth ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Hier ein Auszug aus einem Zwischenbericht:

„Im Vergleich zu einer Reihe von Instituten aus dem privaten Bankgewerbe, aber auch mit einigen Sparkassen evozierte die sogenannte Machtergreifung durch die Nationalsozialisten für die Sparkasse Bremen zunächst keine einschneidende Zäsur. Mit Blick auf die Corporate Governance bemühte man sich um ein beachtliches Maß an personeller Kontinuität. Mit Blick auf das operative Geschäft versuchte die Sparkasse, wieder an ihr erfolgreiches Geschäftsmodell vor der Banken- und Finanzkrise anzuknüpfen und verlorengegangenes Vertrauen bei ihrer Kundschaft wieder herzustellen, um abermals zu einem Finanzdienstleister mit einer breiten Palette an Spar- und Finanzierungsmöglichkeiten für möglichst alle Teile der Bevölkerung in Bremen zu werden.

In den ersten drei Jahren der NS-Diktatur gelang dies auch erstaunlich schnell. Rascher als von den Entscheidungsträgern der Sparkasse erwartet stiegen zum Beispiel die Sparguthaben wieder an. Die Umsätze in allen Sparten des Spargeschäfts nahmen wieder deutlich zu, Bremen wurde erneut eine Stadt der Sparerinnen und Sparer, vergleicht man die durchschnittlichen Sparguthaben pro Kopf der Bevölkerung mit denen in anderen deutschen Städten und Finanzzentren.

Dabei ist jedoch nicht zu verkennen, dass die Sparkasse Bremen – wie die anderen Sparkassen in Deutschland – deutliche Rückendeckung erhielt durch die Zielsetzungen der neuen Machthaber, welche die Sparkassen eindeutig als zentralen Finanzintermediär für alle Teile der Bevölkerung gegenüber Instituten aus anderen Teilen der Kreditwirtschaft präferierten und damit eine rückhaltlose und aggressive Propaganda zu Gunsten der „deutschen Sparkassen“ und zu Lasten des „verjudeten“ privaten Bankgewerbes initiierten. Auch die Sparkasse Bremen profitierte davon – das steht außer Frage. Folglich begann sie selber mit umfangreichen Werbemaßnahmen, um das Sparen und den Spargedanken in allen Teilen der Bremer Bevölkerung zu forcieren. 

Die Sparkasse Bremen war gezwungen, in den ersten Jahren des NS-Regimes einen geschäftspolitischen Spagat zu vollziehen. Auf der einen Seite bemühte sie sich, ein hohes Maß an Kontinuität herzustellen, sowohl mit Blick auf das operative Geschäft als auch mit Blick auf ihr Personaltableau, auf der anderen Seite lässt sich nicht verkennen, dass sich auch bei ihr eine schleichende und schrittweise Nazifizierung vollzog. Die Entscheidungsträger des Instituts mussten diese akzeptieren, wollten sie nicht die Gefahr von kontraproduktiven und auch gefährlichen Konflikten provozieren.

So mussten sie zustimmen, dass NS-Funktionsträger oder NS-affine Personen im Verwaltungsrat und in dessen Ausschüssen ein Mandat erhielten. In der Belegschaft (…) wurde weibliches Personal freigestellt und durch sogenannte „verdiente alte Kämpfer“ ersetzt, langjährige Mitglieder des NSDAP und der SA. Gefolgschaftsmitglieder, die sich dem Druck widersetzten, an sogenannten Gefolgschaftsabenden mit „weltanschaulicher Unterweisung“ teilzunehmen oder die Verpflichtungen im Arbeitsdienst ignorierten, wurden entlassen. Ohne Frage wurde dadurch der politische Druck auf die Belegschaft der Sparkasse systematisch erhöht und noch bestehende Freiräume bei der politischen Willensbildung beseitigt.

Wenn auch die Sparkasse Bremen keinen personalpolitischen Kotau vor den neuen Machthabern vollzog, so wie dieses bei einigen der großen privaten Banken nach der sogenannten Machtergreifung der Fall war, so lässt sich dennoch nicht verkennen, dass sich auch hier eine subtile „Gleichschaltung“ vollzog. Angesichts der Erfolge im operativen Geschäft fanden dieser Prozess und seine Folgen rasch die Zustimmung der Entscheidungsträger. Zudem lässt sich feststellen, dass keiner von ihnen dagegen entschlossen opponiert hätte. Diese affirmative Haltung zum NS-Regime lässt sich ohne Frage als eine Form des hanseatischen Pragmatismus interpretieren. Auf der anderen Seite schuf gerade sie den Nährboden für eine weitere Nazifizierung der Sparkasse in folgenden Jahren des NS-Regimes.“  

Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft hatte sich die Politik in Bremen in Konsequenz des allgemeinen Führerprinzips einen stärkeren Einfluss auf die Sparkasse Bremen verschafft. Damit wurde auch festgelegt, dass der Regierende Bürgermeister gleichzeitig Vorsitzer des Verwaltungsrates der Sparkasse sein sollte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der von Wilhelm Kaisen geführte Senat am 19. Oktober 1946, auf seine während der nationalsozialistischen Herrschaft auf den Regierenden Bürgermeister übertragenen Rechte zu verzichten und genehmigte am 10. Dezember 1946 die Wiedereinführung der alten, freiheitlichen Grundgesetze, die bis 1940 gültig gewesen waren. Das war ein Meilenstein für die Sparkasse in Bremen!

Denn konkret hieß das: Die Mitgliederversammlung, die damals schon aus mehreren Hundert Bremer Bürgern aller sozialen Schichten bestand, wählte fortan wieder den Verwaltungsrat. Der Verwaltungsrat ernannte nach eigener Wahl wieder seinen Vorsitzer und bestellte den Vorstand. Verwaltungsrat und Vorstand mussten der Mitgliederversammlung, dem Organ, das die Bremer Öffentlichkeit vertrat, wieder Rechenschaft über die Geschäftstätigkeit ablegen.

Nationalsozialismus

1933 – Sparen als nationale Pflicht

Aus dem „Weltspartag“ wird im nationalsozialistischen Deutschland der „Nationale Spartag”. Sparen gilt nicht mehr als individuelle Vorsorge, sondern wird zur „Kraftquelle der Nation” erklärt.

Die Ziele sind Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms, Wiederbelebung der Wirtschaft sowie die „Wiederwehrhaftmachung”, sprich die Bezahlung der Rüstung für den kommenden Krieg. 

Aufruf zum Sparen im nationalsozialistischen Deutschland

Aufruf zum Sparen im nationalsozialistischen Deutschland.

1940 – Zusammenschluss mit Sparkassen des Umlands

Vegesack, Blumenthal, Aumund und Lesum sowie Osterholz und Hemelingen werden der Sparkasse in Bremen angeschlossen, dies auf Anordnung des Reichswirtschaftsministeriums und nach Eingliederung vormals preußischer Gemeinden in das Gebiet der Freien Hansestadt Bremen. Mit dem Zusammenschluss steht allerdings auch die Selbstständigkeit der nunmehr einzigen Sparkasse im bremischen Staatsgebiet auf der Kippe.  

1941 – Sichere Aufbewahrung

Die Sparkasse in Bremen sichert wichtige Dokumente auf verschiedene Weise vor Bombardierung, dazu zählen: Verlagerung der Konten in Kellerräume, Abfotografieren von Dokumenten und Lagerung in Luftschutzkellern sowie „Doppelte Buchführung” an zwei weiteren geheimen Orten. Gegen eine Gebühr werden auch Wertsachen und Papiere von Kundinnen und Kunden sicher verwahrt.

Privatkunde

Wünsche verwirklichen

1934 ff. – Sparen für den Führer

Das „Hitlerjugend-Sparen“, das „Gefolgschaftssparen“ oder auch das „Eiserne Sparen“ wurden entwickelt mit dem Ziel, die Regierung Hitlers und den Krieg zu unterstützen.

Bescheinigung über ein Eisernes Sparkonto, ausgestellt 1941

Bescheinigung über ein Eisernes Sparkonto, ausgestellt 1941

1935/36 – Bremen ist Stadt der Sparer

Auf 100 Bremerinnen und Bremer kommen 68 Sparkassenbücher. Die Stadt verbucht den höchsten Zuwachs an Sparguthaben deutschlandweit – Resultat verstärkter Werbemaßnahmen, aber auch Ausdruck für die besondere Verankerung der Sparkasse in Bremen mit der Stadt und ihren Bewohnern.

1937 – Kleinkredite zur Überbrückung

Bis zu 600 Reichsmark werden als Kleinkredite an Lohn- und Gehaltsempfänger vergeben, dafür eine eigene Abteilung ins Leben gerufen. Bis Kriegsausbruch werden über 13.000 solcher Kredite vergeben.  

1938 – Einrichtung einer Alterssparkasse

Auf Alterssparkonten eingezahlte Gelder sollen dazu beitragen, Rücklagen für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit zu bilden. Eine eigene Abteilung „Alterssparkasse” wird gegründet. Diese bietet ein Jahr darauf zusätzlich den Abschluss einer Lebensversicherung an. Ein vielversprechendes Kombi-Angebot, das durch Kriegsausbruch 1939 zunächst ins Leere läuft.  

1941 bis 1945 – Aufrechterhaltung des Sparkassenbetriebs

Zahlungsaufträge zur Regulierung von Bombenschäden, für Evakuierte, als Gebühr für die Wehrmacht, Gehaltszahlungen für Behörden und Betriebe, Rentenzahlungen, Unterhaltszahlungen, … Zwischen 1941 und 1943 erhöht sich die Zahl der Kundenaufträge von knapp 1 Million auf 1,5 Millionen im Jahr.

Neben dem vielfach von Frauen geleisteten Einsatz in teilweise stark beschädigten Räumlichkeiten, wird das Personal zusätzlich zum Luftschutzwachdienst herangezogen. Allen Widrigkeiten zum Trotz wird der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, unterbrochen von Bombenalarm und Aufräumarbeiten nach Gebäudeschäden.  

Bremer Westen nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg.

Langenstraße nach Kriegsende, vorn die zerstörte „Stadtwaage“.

(Quelle: Die Senatorin für Kinder und Bildung, Fotoarchiv)

1945 – Kriegszerstörungen in Bremen

Insgesamt werden im Laufe des Krieges 173 Luftangriffe auf Bremen geflogen, mehr als 900.000 Bomben fallen auf die Stadt. Rund 65.000 Wohnungen werden dabei vernichtet. Über 4.000 Menschen in Bremen sterben.

Die Sparkasse in Bremen verzeichnet Beschädigungen, Teilzerstörungen oder komplette Zerstörungen in fast all ihren über 20 Nebenstellen. Allein die Hauptstelle am Brill übersteht den Krieg fast unbeschadet, dies auch durch Einsatz der Mitarbeitenden als Luftschutzwachen.

Bremer Westen nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg.

Bremer Westen nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg. 

Firmenkunde

Wachstum begleiten

1933 – Hinwendung zum Mittelstand

Nach risikobehafteten Engagements in Großkonzernen besinnt sich die Sparkasse wieder auf den Mittelstand, dies im Einklang mit der NS-Ideologie, die sich gegen das „verjudete Großkapital” richtet. Mit Kreditvergaben und gemeinsam mit der Gewerbekammer gegründeten Haftungsgemeinschaften, wie Bauwirtschaftsverein, Elektroverein und Gasverein, unterstützt sie Handel, Kleingewerbe und Handwerk.

1941 – Drei Reichsmark für Geselle und Meister

Die Sparkasse in Bremen nutzt den besonderen Karriere-Moment im Handwerk für ihre Kundenbindung.

Für eine bevorzugte Hilfe von Gesellen und später Meistern wird die Bedingung klar formuliert: „Eines ist jedoch erforderlich, du musst den Nachweis erbringen, daß du dir Mühe gegeben hast, fortlaufend einen angemessenen Teil deines Verdienstes bei der Sparkasse zu sparen.”

Junghandwerker Gutschein zur Prüfung

Dokument: „Meister ist: der was ersann! “

Gemeinwohl

Gemeinwohl fördern

1935 – Spenden an das Winterhilfswerk

Neben Geldspenden unterstützt die Sparkasse in Bremen das Winterhilfswerk auch buchhalterisch.

1937 – Schaffung von kleinen und mittleren Wohnungen

Nach fünf Jahren Pause gewährt die Sparkasse Bremen wieder neue Hypothekendarlehen. Indem sie fast 500 Anträge über 4 Millionen Reichsmark bewilligt, fördert sie die Schaffung kleiner und mittlerer Wohnungen.  

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