Deutsches Kaiserreich 1871-1918

Eine Großsparkasse für alle

Deutsches Kaiserreich 1871-1918

Eine Großsparkasse für alle

Deutsches Kaiserreich

Eine Großsparkasse für alle

Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Januar 1871 erlebt die Wirtschaft einen bisher nicht gekannten Aufschwung. Viele neue Industrien entstehen und mit ihnen entwickeln sich Großbanken. Auch die Sparkasse Bremen folgt dem Trend und öffnet sich immer mehr dem Klientel aus Bremer Industrieellenkreisen. Der Börsenkrach von 1873 beendet jäh die „Gründerjahre”. Erst 1880 stabilisiert sich die Lage wieder, Ausgangspunkt für eine wirtschaftliche Expansion, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs andauert.

»Wir haben es hier mit einem Unternehmen zu tun, das sich frei von jeder Engherzigkeit weiß, daß unter der Leitung und Verwaltung weitausblickender Männer in streng kaufmännischem Geiste geführt wird und der großen Allgemeinheit dienen kann, ohne durch die Notwendigkeit, Überschuss-Wirtschaft zu treiben, in seinen Wegen behindert zu sein.«

1875 – Neuaufstellung der Sparkasse

Ein neues Grundgesetzt wird verabschiedet und damit die Institution Sparkasse professionalisiert. Sie ist von nun an ein unter obrigkeitlicher Inspektion stehendes gemeinnütziges Institut. Aktionisten werden zukünftig Mitglieder genannt, Tätigkeiten werden von erstmals besoldeten Angestellten jeden Wochentag ausgeübt. Die Direktion wird in zwei Organe umgebildet – in den Verwaltungsrat und den Vorstand.

1882 – Mehr Geschäft – mehr Raum!

Der zunehmende Kundenstrom, die neue Mitarbeiterschaft, die ständig wachsende Zahl an Kontotabellen, Dokumenten und Wertpapieren machen einen Neubau notwendig.

1882 bezieht die Hauptstelle ein eigens für sie erbautes prächtiges Haus an der Obernstraße, Ecke Papenstraße.  

Gebäude Obernstraße, Ecke Papenstraße

Gebäude Obernstraße, Ecke Papenstraße.

(Quelle: Die Senatorin für Kinder und Bildung, Fotoarchiv)

1883 – Einsatz von Werbung

Die Sozialversicherung als staatlich verordnete finanzielle Vorsorge wird unter Otto von Bismarck (Reichskanzler 1871 – 1890) eingeführt. Eine Konkurrenz, die die Sparfreude der Bremerinnen und Bremer dämpft. Um dem „Zwangssparen” etwas entgegenzusetzen, wirbt die Sparkasse um ihre Kunden und verteilt mehrere Tausend schön gestaltete Wandkalender.  

Wandkalender in bunt als Werbung

Werbung von 1901: „Spare in der Zeit. So hast du in der Noth.”

Wandkalender Werbung

Wandkalender von 1893: „Arbeiten u. Sparen hilft vor Noth bewahren.”

1906 – Neubau am Brill

Der enormen Ausdehnung des Geschäftsumfangs ist man in der Hauptstelle in der Obernstraße nicht mehr gewachsen. Am 26. November 1906 wird der Neubau am Brill Ecke Kaiserstraße bezogen und die Kundinnen und Kunden erleben Bank wieder neu.

Repräsentativ und gleichzeitig hoch funktional, gilt der neue Hauptsitz als vorbildlich für modernes Bankwesen. Er markiert auch die Entwicklung des Bremer Finanzinstituts zur Großsparkasse. »Der Bau verkörpert den Bezug der Sparkasse zu Kunst, Wissenschaft, Kultur und Handel.« Broschüre aus Anlass zur Eröffnung des neuen Gebäudes der Sparkasse, 1906    

Das Gebäude der Sparkasse Bremen am Brill

Das Gebäude der Sparkasse Bremen am Brill.

Privatkunde

Wünsche verwirklichen

1876 – Tägliche Öffnungszeiten

Die Sparkasse in Bremen führt an verschiedenen Standorten tägliche Öffnungszeiten ein, für bequeme Ein- und Auszahlungen oder den Kontoabschluss. Mithilfe der bereits 1850 eingeführten sofortigen Zinsberechnung für Ein- und Auszahlungsposten ist jedes Konto jederzeit abschlussbereit.

1880 ff. – Neue Sparformen

Neue Sparformen werden eingeführt und an Kundenbedarfe ausgerichtet – für die Erfüllung kleinerer und größerer Wünsche:

  • Zwecksparen mit konkretem Sparziel für die halbjährlich fällige Mietzahlung (1880) 
  • Sparmarken von jeweils 10 Pfennigen, hinterlegt bei rund 200 Verkaufsstellen (1881), spätere Vertreibung über den Rabattsparverein „Brema” 
  • Mündelbuch zu Gunsten der späteren Ausstattung der Kinder mit einer unwiderruflichen Sperrfrist von 5 bis 25 Jahren (1885) 
  • Schulsparen aufgesetzt auf dem Prinzip der Sparmarken. Eine Sparkarte ist bereits zur Hälfte mit 5 x 10 Pfennig-Marken bedruckt und gibt einen Anreiz zum Weitersparen (1886)

Dokument Gemeinnütziger Bremer Bauverein.

1887 – Wohnen im „Kleinen Bremer Haus“

1887 ist die Sparkasse Mitgründerin des „Gemeinnützigen Bremer Bauvereins", der das „Kleine Bremer Haus" für vorwiegend Arbeiterfamilien entwickelt und fördert.

Bis 1890 verhilft der Verein 253 Familien zu einem eigenen Heim. Ein Teil des Mietpreises dient der Abzahlung des vorab festgesetzten Kaufpreises. Aus Mietern werden Eigentümer. 1891 sind über 300 Häuser fertiggestellt.  

Dokument Gemeinnütziger Bremer Bauverein.

Bis 1909 – Zehn Nebenstellen für kurze Wege

Über die Hauptstelle am Brill hinaus sorgen in einer sich ausdehnenden Stadt zehn neue Nebenstellen für kurze Wege zur Spareinlage. Insbesondere den zahlreichen Arbeiterinnen und Arbeitern in Werften, Häfen und Fabriken kommt man damit
entgegen. 

Kielerstraße 24, Walle.

Vor dem Steintor 88, Östliche Vorstadt.

Osterstraße 72, Neustadt.

Hohentorstraße 55, Neustadt.

Waller Chaussee 33B, Walle.

1911 ff. – Sicher unter Verschluss

Die Einrichtung von Schließfächern ist eine Reaktion auf eine Zeit politischer Spannungen, die sich im Ersten Weltkrieg entladen sollte. Für 2 Mark im Jahr können in einem kleinen Schrankfach Wertgegenstände und -papiere aufbewahrt werden. Bis 1918 steigt die Zahl der vermieteten Schließfächer sprunghaft auf 6.700 Stück.  

1914 – Kriegsanleihen

Der Erste Weltkrieg wird vom Deutschen Reich in erster Linie durch sogenannte Kriegsanleihen finanziert. Alle Bevölkerungsschichten sind aufgerufen, ihr Geld für die Finanzierung des Krieges anzulegen – in Aussicht gestellt wird eine Verzinsung von fünf Prozent. Die Sparkasse in Bremen zeichnet während des Kriegsverlaufs insgesamt 124 Millionen Mark Kriegsanleihen, 67 Millionen auf eigene Rechnung, 57 Millionen entfallen auf ihre Kunden.  

Dokument über eine siebente Kriegsanleihe des Deutschen Reichs von 1917 über 100 Mark

Dokument über eine siebente Kriegsanleihe des Deutschen Reichs von 1917 über 100 Mark.

Firmenkunde

Wachstum begleiten

1871 – Kurzfristige Kredite für Kaufleute und Gewerbetreibende

Die bremische Wirtschaft wird u. a. auch mit kurzfristigen Krediten in Form der Diskontierung von Wechseln unterstützt. Diese können eine Höhe von bis zu 60 Millionen Taler erreichen.

Kontorzimmer aus früher Zeit

Kontorzimmer aus früher Zeit.

(Quelle: Staatsarchiv Bremen) 

1885 ff. – Bremens Industrie blüht

Zollanschluss, Weserkorrektion, neue bremische Seehäfen mit Anschluss an das Eisenbahnnetz schaffen die Voraussetzungen für Bremens späte Gründerjahre. Handel, Schifffahrt und Industrie blühen. Die Sparkasse entwickelt sich gemeinsam mit der finanzstarken Klientel zur Großsparkasse. Unternehmertum und Finanzwesen, sie sind in Bremen eng verbunden.

Freihafen Bremen nach Inbetriebnahme

Freihafen Bremen nach Inbetriebnahme ab 1888.

(Quelle: Staatsarchiv Bremen) 

1914 – Großunternehmen in Bremen

Zu den kapitalintensivsten Bremer Großunternehmen zählen 1914:

  • Reederei Norddeutscher Lloyd (1857) 
  • Werft A.G. Weser (1872), entstanden aus Eisengießerei und Maschinenbau-Anstalt Waltjen & Leonhard (1843)
  • Norddeutsche Hütte AG (1908), später Klöckner Werke AG, heute ArcelorMittal   
Werbung des Norddeutschen Lloyd

Werbung des Norddeutschen Lloyd.

Gemeinwohl

Gemeinwohl fördern

1875 – Bäderkultur mit Hallenschwimmbad

Zum 50-jährigen Bestehen der Sparkasse Bremen wird der Bau eines Hallenschwimmbads ermöglicht, eine Spende in Höhe von 300.000 Mark geht an den Verein für öffentliche Bäder.

1888 – Schnelle Notunterkunft

Die Sparkasse Bremen überweist dem Bremer Bauverein 25.000 Mark. Das Geld dient zur Errichtung von 50 provisorischen Holzbaracken als „Abhilfe einer plötzlichen Wohnungsnot”.

1891 – Übersee-Museum

Die Spende der Sparkasse von 287.000 Mark macht den Bau des heutigen Übersee-Museums Bremen am Bahnhofsplatz möglich.

Am 15. Januar 1896 wird die kulturelle Einrichtung als „Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde” eröffnet.

Innenansicht des Museumslichthofs um 1900

Innenansicht mit Lichthof um 1900.

(Quelle: Übersee-Museum Bremen)  

Eingangsfront des früheren „Städtischen Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde”, heute Übersee-Museum Bremen

Eingangsfront des früheren „Städtischen Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde”, heute Übersee-Museum Bremen. (Quelle: Übersee-Museum Bremen) 

1900 – 100.000 Mark für einen Schulfonds

Zum 75. Jubiläum der Sparkasse verteilt die Sparkasse an verschiedene Institutionen gesamt 300.000 Mark. Der Verein Kaufmännische Union erhält für die Gründung eines Schulfonds allein 100.000 Mark.

1901 – 50.000 Mark für eine Bibliothek

Dem Verein „Lesehalle” stellt die Sparkasse in Bremen 50.000 Mark für die Gründung einer Bibliothek zur Verfügung. Sie soll dem Bildungsbedürfnis der gesamten bremischen Bevölkerung dienen.   

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