Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Januar 1871 erlebt die Wirtschaft einen bisher nicht gekannten Aufschwung. Viele neue Industrien entstehen und mit ihnen entwickeln sich Großbanken. Auch die Sparkasse Bremen folgt dem Trend und öffnet sich immer mehr dem Klientel aus Bremer Industrieellenkreisen. Der Börsenkrach von 1873 beendet jäh die „Gründerjahre”. Erst 1880 stabilisiert sich die Lage wieder, Ausgangspunkt für eine wirtschaftliche Expansion, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs andauert.
»Wir haben es hier mit einem Unternehmen zu tun, das sich frei von jeder Engherzigkeit weiß, daß unter der Leitung und Verwaltung weitausblickender Männer in streng kaufmännischem Geiste geführt wird und der großen Allgemeinheit dienen kann, ohne durch die Notwendigkeit, Überschuss-Wirtschaft zu treiben, in seinen Wegen behindert zu sein.«
Ein neues Grundgesetzt wird verabschiedet und damit die Institution Sparkasse professionalisiert. Sie ist von nun an ein unter obrigkeitlicher Inspektion stehendes gemeinnütziges Institut. Aktionisten werden zukünftig Mitglieder genannt, Tätigkeiten werden von erstmals besoldeten Angestellten jeden Wochentag ausgeübt. Die Direktion wird in zwei Organe umgebildet – in den Verwaltungsrat und den Vorstand.
Der zunehmende Kundenstrom, die neue Mitarbeiterschaft, die ständig wachsende Zahl an Kontotabellen, Dokumenten und Wertpapieren machen einen Neubau notwendig.
1882 bezieht die Hauptstelle ein eigens für sie erbautes prächtiges Haus an der Obernstraße, Ecke Papenstraße.
Gebäude Obernstraße, Ecke Papenstraße.
(Quelle: Die Senatorin für Kinder und Bildung, Fotoarchiv)
Die Sozialversicherung als staatlich verordnete finanzielle Vorsorge wird unter Otto von Bismarck (Reichskanzler 1871 – 1890) eingeführt. Eine Konkurrenz, die die Sparfreude der Bremerinnen und Bremer dämpft. Um dem „Zwangssparen” etwas entgegenzusetzen, wirbt die Sparkasse um ihre Kunden und verteilt mehrere Tausend schön gestaltete Wandkalender.
Werbung von 1901: „Spare in der Zeit. So hast du in der Noth.”
Wandkalender von 1893: „Arbeiten u. Sparen hilft vor Noth bewahren.”
Der enormen Ausdehnung des Geschäftsumfangs ist man in der Hauptstelle in der Obernstraße nicht mehr gewachsen. Am 26. November 1906 wird der Neubau am Brill Ecke Kaiserstraße bezogen und die Kundinnen und Kunden erleben Bank wieder neu.
Repräsentativ und gleichzeitig hoch funktional, gilt der neue Hauptsitz als vorbildlich für modernes Bankwesen. Er markiert auch die Entwicklung des Bremer Finanzinstituts zur Großsparkasse. »Der Bau verkörpert den Bezug der Sparkasse zu Kunst, Wissenschaft, Kultur und Handel.« Broschüre aus Anlass zur Eröffnung des neuen Gebäudes der Sparkasse, 1906
Das Gebäude der Sparkasse Bremen am Brill.
Die Sparkasse in Bremen führt an verschiedenen Standorten tägliche Öffnungszeiten ein, für bequeme Ein- und Auszahlungen oder den Kontoabschluss. Mithilfe der bereits 1850 eingeführten sofortigen Zinsberechnung für Ein- und Auszahlungsposten ist jedes Konto jederzeit abschlussbereit.
Neue Sparformen werden eingeführt und an Kundenbedarfe ausgerichtet – für die Erfüllung kleinerer und größerer Wünsche:
Dokument Gemeinnütziger Bremer Bauverein.
1887 ist die Sparkasse Mitgründerin des „Gemeinnützigen Bremer Bauvereins", der das „Kleine Bremer Haus" für vorwiegend Arbeiterfamilien entwickelt und fördert.
Bis 1890 verhilft der Verein 253 Familien zu einem eigenen Heim. Ein Teil des Mietpreises dient der Abzahlung des vorab festgesetzten Kaufpreises. Aus Mietern werden Eigentümer. 1891 sind über 300 Häuser fertiggestellt.
Dokument Gemeinnütziger Bremer Bauverein.
Über die Hauptstelle am Brill hinaus sorgen in einer sich ausdehnenden Stadt zehn neue Nebenstellen für kurze Wege zur Spareinlage. Insbesondere den zahlreichen Arbeiterinnen und Arbeitern in Werften, Häfen und Fabriken kommt man damit
entgegen.
Kielerstraße 24, Walle.
Vor dem Steintor 88, Östliche Vorstadt.
Osterstraße 72, Neustadt.
Hohentorstraße 55, Neustadt.
Waller Chaussee 33B, Walle.
Die Einrichtung von Schließfächern ist eine Reaktion auf eine Zeit politischer Spannungen, die sich im Ersten Weltkrieg entladen sollte. Für 2 Mark im Jahr können in einem kleinen Schrankfach Wertgegenstände und -papiere aufbewahrt werden. Bis 1918 steigt die Zahl der vermieteten Schließfächer sprunghaft auf 6.700 Stück.
Der Erste Weltkrieg wird vom Deutschen Reich in erster Linie durch sogenannte Kriegsanleihen finanziert. Alle Bevölkerungsschichten sind aufgerufen, ihr Geld für die Finanzierung des Krieges anzulegen – in Aussicht gestellt wird eine Verzinsung von fünf Prozent. Die Sparkasse in Bremen zeichnet während des Kriegsverlaufs insgesamt 124 Millionen Mark Kriegsanleihen, 67 Millionen auf eigene Rechnung, 57 Millionen entfallen auf ihre Kunden.
Dokument über eine siebente Kriegsanleihe des Deutschen Reichs von 1917 über 100 Mark.
Die bremische Wirtschaft wird u. a. auch mit kurzfristigen Krediten in Form der Diskontierung von Wechseln unterstützt. Diese können eine Höhe von bis zu 60 Millionen Taler erreichen.
Kontorzimmer aus früher Zeit.
(Quelle: Staatsarchiv Bremen)
Zollanschluss, Weserkorrektion, neue bremische Seehäfen mit Anschluss an das Eisenbahnnetz schaffen die Voraussetzungen für Bremens späte Gründerjahre. Handel, Schifffahrt und Industrie blühen. Die Sparkasse entwickelt sich gemeinsam mit der finanzstarken Klientel zur Großsparkasse. Unternehmertum und Finanzwesen, sie sind in Bremen eng verbunden.
Freihafen Bremen nach Inbetriebnahme ab 1888.
(Quelle: Staatsarchiv Bremen)
Zu den kapitalintensivsten Bremer Großunternehmen zählen 1914:
Werbung des Norddeutschen Lloyd.
Zum 50-jährigen Bestehen der Sparkasse Bremen wird der Bau eines Hallenschwimmbads ermöglicht, eine Spende in Höhe von 300.000 Mark geht an den Verein für öffentliche Bäder.
Die Sparkasse Bremen überweist dem Bremer Bauverein 25.000 Mark. Das Geld dient zur Errichtung von 50 provisorischen Holzbaracken als „Abhilfe einer plötzlichen Wohnungsnot”.
Die Spende der Sparkasse von 287.000 Mark macht den Bau des heutigen Übersee-Museums Bremen am Bahnhofsplatz möglich.
Am 15. Januar 1896 wird die kulturelle Einrichtung als „Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde” eröffnet.
Innenansicht mit Lichthof um 1900.
(Quelle: Übersee-Museum Bremen)
Eingangsfront des früheren „Städtischen Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde”, heute Übersee-Museum Bremen. (Quelle: Übersee-Museum Bremen)
Zum 75. Jubiläum der Sparkasse verteilt die Sparkasse an verschiedene Institutionen gesamt 300.000 Mark. Der Verein Kaufmännische Union erhält für die Gründung eines Schulfonds allein 100.000 Mark.
Dem Verein „Lesehalle” stellt die Sparkasse in Bremen 50.000 Mark für die Gründung einer Bibliothek zur Verfügung. Sie soll dem Bildungsbedürfnis der gesamten bremischen Bevölkerung dienen.
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